Die richtige Atmung spielt eine entscheidende Rolle während der Geburt. Sie hilft nicht nur dabei, Schmerzen besser zu verarbeiten, sondern sorgt auch für eine gute Sauerstoffversorgung von Mutter und Baby. Durch gezielte Atemtechniken kann der Geburtsverlauf positiv beeinflusst und Stress reduziert werden.
Doch warum genau ist die bewusste Atmung so wichtig? Wissenschaftliche Studien zeigen, dass eine entspannte, kontrollierte Atmung das Schmerzempfinden senken kann. Zudem beeinflusst die Atmung die Muskelspannung: Während die tiefe Bauchatmung die Gebärmutter optimal mit Sauerstoff versorgt und die Entspannung fördert, kann flache oder unkontrollierte Atmung das Schmerzempfinden verstärken.
In diesem Artikel erfährst du, welche Atemtechniken dich während der verschiedenen Phasen der Geburt unterstützen können und wie du dich am besten darauf vorbereitest.
Inhaltsverzeichnis
Die Bedeutung der Atmung in den Geburtsphasen
Verschiedene Atemtechniken für die Geburt
Welche Atemtechnik ist die richtige für dich?
Was tun, wenn die Atmung nicht mehr funktioniert?
Zusammenfassung
FAQ – Häufig gestellte Fragen zur Atmung während der Geburt
Die Bedeutung der Atmung in den Geburtsphasen
Jede Phase der Geburt bringt unterschiedliche Herausforderungen mit sich. Die richtige Atemtechnik kann helfen, Wehen besser zu verarbeiten, Energie zu sparen und den Körper optimal auf die Geburt vorzubereiten.
1. Frühe Eröffnungsphase
- In dieser Phase beginnen die ersten Wehen, meist in größeren Abständen.
- Ziel: Entspannung und bewusste Atmung, um den Körper auf den Geburtsprozess vorzubereiten.
- Atemtechnik: Tiefe Bauchatmung – langsam durch die Nase einatmen, tief in den Bauch atmen und sanft durch den Mund ausatmen.
2. Aktive Eröffnungsphase
- Die Wehen werden intensiver und kommen regelmäßiger.
- Ziel: Die Wehen durch gleichmäßige Atmung begleiten und Verspannungen vermeiden.
- Atemtechnik: Wellenatmung – langsam einatmen und doppelt so lange ausatmen, um die Muskeln zu entspannen.
3. Übergangsphase
- Diese Phase kann besonders intensiv sein, da die Wehen in kurzen Abständen auftreten.
- Ziel: Durch kontrollierte Atmung den Körper mit Sauerstoff versorgen und Panik vermeiden.
- Atemtechnik: Hechelnde Atmung – kurze, schnelle Atemzüge durch den Mund, um den Pressdrang zu kontrollieren.
4. Pressphase
- Die letzte Phase vor der Geburt des Babys, in der aktive Mitarbeit erforderlich ist.
- Ziel: Effektives Pressen mit der richtigen Atmung, um Erschöpfung zu vermeiden.
- Atemtechnik: Tiefe Einatmung, gefolgt von einem langsamen, kraftvollen Ausatmen während des Pressens.

Verschiedene Atemtechniken für die Geburt
Während der Geburt kann die richtige Atmung einen großen Unterschied machen. Sie hilft nicht nur dabei, die Wehen erträglicher zu machen, sondern unterstützt auch die Sauerstoffversorgung von Mutter und Baby. Je nach Geburtsphase eignen sich unterschiedliche Atemtechniken, um gezielt auf die jeweilige Herausforderung zu reagieren.
Hier sind die wichtigsten Atemtechniken für die Geburt – mit einer detaillierten Anleitung zur Anwendung:
1. Tiefe Bauchatmung – Entspannung und Vorbereitung
Diese Atemtechnik ist besonders in der frühen Eröffnungsphase hilfreich. Sie unterstützt die Gebärmutter mit ausreichend Sauerstoff und hilft dem Körper, sich zu entspannen. Außerdem kann sie Ängste und Verspannungen reduzieren, die den Geburtsverlauf erschweren könnten.
Vorteile der tiefen Bauchatmung:
- Fördert die Durchblutung und Sauerstoffversorgung von Mutter und Baby
- Senkt den Stresspegel und entspannt die Muskeln
- Unterstützt einen gleichmäßigen Wehenverlauf
Übung zur tiefen Bauchatmung:
- Setze dich bequem hin oder lege dich auf die Seite. Achte darauf, dass deine Schultern entspannt sind.
- Lege eine Hand auf deinen Bauch, um die Atembewegung bewusst wahrzunehmen.
- Atme langsam und tief durch die Nase ein. Spüre, wie sich deine Bauchdecke sanft hebt.
- Halte die Luft für einen kurzen Moment und atme dann langsam durch den Mund aus. Dabei kannst du die Lippen leicht spitzen (Lippenbremse), um das Ausatmen zu kontrollieren.
- Wiederhole diese Atmung für mehrere Minuten und konzentriere dich darauf, Anspannung loszulassen.
Tipp: Die Bauchatmung kann auch zwischen den Wehen genutzt werden, um sich schnell zu regenerieren und Kräfte zu sammeln.
2. Wellenatmung – Wehen sanft verarbeiten
Die Wellenatmung ist ideal für die aktive Eröffnungsphase, wenn die Wehen stärker werden. Diese Technik hilft, die Muskulatur locker zu halten und verhindert, dass der Körper verkrampft.
Vorteile der Wellenatmung:- Unterstützt die Wehenarbeit ohne Anspannung
- Hilft, Schmerzen sanfter wahrzunehmen
- Fördert eine gleichmäßige Sauerstoffzufuhr
Übung zur Wellenatmung:
- Setze dich oder stehe aufrecht, um deinem Baby genug Platz im Bauch zu geben.
- Atme langsam und tief durch die Nase ein. Versuche, die Einatmung etwa 4 Sekunden lang zu machen.
- Atme doppelt so lange aus (ca. 8 Sekunden), damit sich dein Körper tief entspannt.
- Wiederhole diesen Rhythmus und stelle dir dabei eine sanfte Welle vor, die über deinen Körper rollt.
Tipp: Visualisierungen wie eine langsam anrollende Meereswelle können helfen, sich während der Wehen zu entspannen.
3. Hechelnde Atmung – Den Pressdrang kontrollieren
In der Übergangsphase – der letzten Phase vor der Pressphase – werden die Wehen oft besonders intensiv. Viele Frauen spüren dabei einen starken Pressdrang, obwohl es noch nicht an der Zeit ist, aktiv mitzuarbeiten. Die hechelnde Atmung hilft, diesen Reflex zu kontrollieren und zu vermeiden, dass zu früh gepresst wird.
Vorteile der hechelnden Atmung:
- Hilft, den Pressdrang zu unterdrücken
- Verhindert unnötige Anspannung der Gebärmutter
- Unterstützt die Sauerstoffversorgung
Übung zur hechelnden Atmung:
- Atme schnell und flach durch den Mund ein und aus. Die Atemzüge sollten kurz und rhythmisch sein.
- Versuche eine „Haaa-Haaa-Haaa“-Atmung, die ruhig bleibt und nicht zu einer Hyperventilation führt.
- Nach einigen Sekunden kehre zur normalen Atmung zurück, um den Sauerstoffhaushalt auszugleichen.
Tipp: Diese Technik kann auch während der Wehen genutzt werden, wenn die Atmung unkontrolliert wird. Falls du dich unwohl fühlst, wechsle zur Wellenatmung, um deinen Körper zu beruhigen.
4. Töne und Atmung kombinieren – Spannung lösen durch Geräusche
Viele Frauen empfinden es als hilfreich, ihre Atmung mit Geräuschen zu verbinden. Das Summen, Stöhnen oder Singen bestimmter Töne kann die Atmung vertiefen und dazu beitragen, die Muskulatur zu entspannen.
Vorteile der Kombination von Tönen und Atmung:
- Löst körperliche Anspannung und blockierte Energie
- Fördert die Entspannung des Beckenbodens
- Kann Schmerzempfinden reduzieren
Übung:
- Atme tief durch die Nase ein und atme durch den Mund aus.
- Während des Ausatmens mache bewusst ein langes „Aaaah“, „Ooooh“ oder „Mmmmh“.
- Spüre, wie die Vibration des Tones deinen Körper entspannt.
Tipp: Auch tiefe, summende Geräusche können helfen, das Schmerzempfinden zu verändern und die Wehen effektiver zu begleiten.
5. Hypnobirthing-Atemtechniken – Sanfte Geburt durch Visualisierung
Hypnobirthing ist eine Methode, die Atmung, Visualisierung und Tiefenentspannung kombiniert. Diese Technik ist besonders für Frauen geeignet, die eine möglichst sanfte, medikamentenfreie Geburt anstreben.
Vorteile von Hypnobirthing-Atemtechniken:
- Fördert eine schmerzärmere, entspannte Geburt
- Unterstützt das Vertrauen in den eigenen Körper
- Senkt Stress und Angstgefühle
Übung zur Hypnobirthing-Atmung:
- Setze dich bequem hin und schließe die Augen.
- Atme langsam durch die Nase ein und stelle dir vor, wie mit jeder Einatmung frische Energie in deinen Körper strömt.
- Atme doppelt so lange aus und visualisiere dabei, wie dein Körper sich öffnet und dein Baby sanft nach unten bewegt.
- Während einer Wehe stelle dir vor, wie dein Atem wie eine sanfte Welle durch deinen Körper fließt.
Tipp: Hypnobirthing-Kurse bieten viele praktische Übungen, um diese Technik bereits in der Schwangerschaft zu verinnerlichen.
Welche Atemtechnik ist die richtige für dich?
Jede Frau empfindet die Geburt anders, und es gibt keine „perfekte“ Atemtechnik. Es ist wichtig, verschiedene Methoden auszuprobieren und herauszufinden, was sich für dich am besten anfühlt.
- In der frühen Geburtsphase: Tiefe Bauchatmung für Entspannung.
- Während der Wehen: Wellenatmung für eine gleichmäßige Sauerstoffzufuhr.
- In der Übergangsphase: Hechelnde Atmung zur Kontrolle des Pressdrangs.
- Beim Pressen: Tiefe Atemzüge für effektives Mitpressen.
- Während der gesamten Geburt: Kombination mit Tönen oder Hypnobirthing für zusätzliche Entspannung.
Mit regelmäßiger Übung kannst du die richtige Atmung für dich entdecken und dich optimal auf die Geburt vorbereiten.

Was tun, wenn die Atmung nicht mehr funktioniert?
Manchmal kann es passieren, dass die Atmung unkontrolliert wird, insbesondere wenn die Wehen sehr intensiv sind. Hier sind einige Tipps, um schnell wieder die Kontrolle über deine Atmung zu gewinnen:
- Hyperventilation vermeiden: Falls du das Gefühl hast, zu schnell zu atmen oder Schwindel zu verspüren, versuche langsam durch die Nase einzuatmen und durch die Lippenbremse (leicht geschlossene Lippen) auszuatmen.
- Panik durch Entspannungsübungen reduzieren: Konzentriere dich auf eine Person oder einen Punkt im Raum, atme tief und gleichmäßig, und versuche, bewusst loszulassen.
- Bewusst atmen: Falls du aus dem Rhythmus kommst, kehre zur tiefen Bauchatmung zurück, um deinen Körper wieder in einen entspannten Zustand zu versetzen.
Zusammenfassung
- Die richtige Atmung kann den Geburtsverlauf positiv beeinflussen und Schmerzen lindern.
- In jeder Geburtsphase gibt es spezielle Atemtechniken, die den Körper optimal unterstützen.
- Kombinationen aus Atemtechniken, Bewegung und mentaler Entspannung sind besonders effektiv.
- Atemtraining während der Schwangerschaft hilft, sich besser auf die Geburt vorzubereiten.
- Falls Panik aufkommt, kann bewusstes Atmen helfen, die Kontrolle wiederzuerlangen.
FAQ – Häufig gestellte Fragen zur Atmung während der Geburt
Wie kann ich mich auf die richtige Atmung vorbereiten?
Atemübungen während der Schwangerschaft sind eine gute Möglichkeit, um sich mit den Techniken vertraut zu machen. Yoga oder Hypnobirthing-Kurse können zusätzlich unterstützen.
Welche Atemtechnik hilft am besten gegen Schmerzen?
Die Bauchatmung und die Wellenatmung sind besonders hilfreich, um die Muskeln zu entspannen und die Wehen zu verarbeiten.
Kann ich durch falsche Atmung die Geburt erschweren?
Ja, unkontrollierte Atmung kann dazu führen, dass sich der Körper verkrampft und die Wehen schmerzhafter empfunden werden. Deshalb ist es wichtig, die Techniken frühzeitig zu üben.
Was tun, wenn ich in der Pressphase das Atmen vergesse?
Falls du das Gefühl hast, nicht mehr richtig zu atmen, hilft es, auf das lange Ausatmen zu fokussieren. Dein Geburtsbegleiter kann dich dabei unterstützen.
Ist Atmung bei einem Kaiserschnitt auch wichtig?
Ja, kontrollierte Atmung hilft, sich zu entspannen und fördert die Sauerstoffversorgung des Babys, auch wenn die Geburt durch einen Kaiserschnitt erfolgt.
Verwendete Quellen
- Wehen veratmen: So gelingt der Umgang mit den Schmerzen besser | rossmann.de
- 3 Atemübungen für die Geburt | mamanamaste.de
- Die richtige Atemtechnik für die Geburt | eltern.de
- Atemtechnik | notdiensthebamme.de
- Hypnobirthing: Schmerzfreie Geburt unter Hypnose? | helios-gesundheit.de
- Gebären ohne Schmerzen dank Hypnose? | eltern.de